Reflexion

616
  0%
  0

Tags

Reflexion zu Trygve Gulbranssens „Heimkehr“

Soeben habe ich die Geschichte auf 126 groß gedruckten, kleinen Seiten in mini Buch Format durchgelesen und bin vor allem von Seite 62 f begeistert: „Und hier fiel es wohl keinem je ein, einen Menschen mit dem Worte Gemeindearmer zu brandmarken als einen, der zu nichts mehr taugt, so wie sie es im Süden überall taten. Hier durften die Alten sicher noch herumgehen und sich nach ihren geringen Kräften nützlich machen — und hier wußten doch auch alle, daß sie selber einmal alt werden würden, wenn sie lange genug lebten, und deshalb sahen sie auch keinen Grund dazu, mit alten Leuten hart umzugehen. Man dachte ein bisschen mehr nach, hier unterhalb der Wälder — es war wie ein anderer Menschenschlag.“ Der alte Holzfäller, der sein Leben lang fleissig und nützlich war, nachdem er aufgrund eines Fehlverhaltens seine Heimat verlassen hat, wird als alter Mann beschrieben und Hauptperson und Held des Textes, der wegen seiner Gebrechlichkeit zu nichts mehr taugt und jetzt von Kirchenhilfe leben muss. Er wagt sich allerdings noch einmal in seine Jugendheimat zurück und findet den etwa gleich Betagten, eine reich gewordene Persönlichkeit, dem er damals Unrecht zugefügt hat. Da der Sohn des Fällers, den er ebenfalls nicht mehr gesehen hat, dem Sohn des Reichen jedoch einmal das Leben rettete, versöhnen sie sich nach dem Besuch wieder, worauf der Holzfäller in der Nacht stirbt. Die Zeit dürfte gegen 1900 gewesen sein, auf dem Lande in Skandinavien, vielleicht Norwegen. Die Geschichte versetzt in Melancholie und beschreibt, trotz der Versöhnung, wie sehr das Leben einen Arbeiter aus diesem Umfeld fordert, bzw. gefordert hat. Der Holzfäller ist für mich ein Held, da seine guten Tugenden bei weitem sein Vergehen gegen den anderen überwiegen. Erneut macht er sich auf und verlässt auf eigenen Entschluss die Umgebung, die ihn als alten und kranken abgestempelt hat, ebenfalls vor allem aufgrund des Entschlusses seines letzten Lohnherrn. Natürlich ist sein Vorhaben erfolgreich, er findet ohne viele Schwierigkeiten seine Jugendstätte wieder und die Versöhnung erfolgt ja auch. Zudem macht er seinen letzten Gastgebern praktisch keine Schwierigkeiten, da er sofort nach dem Schulterschluss verstirbt, was nachts im Stillen geschieht. Ein Spiegel der Zeit, wie sich die Erzählung bestimmt auch wirklich öfter so zugetragen hat. Der Charakter des Fällers wird gut dargestellt und ist markant männlich. Die Würde seines Alters und Wirkens sowie sein Leben beeindrucken mich als Leser. Heiko Friedlein, Kulmbach, 13.5.16

 

 

Global Scriggler.DomainModel.Publication.Visibility
There's more where that came from!